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Arbeitsgruppe zur Freilassung von Gefangenen und Geiseln
und Suche von Vermissten des Karabach-Konfliktes
Die Internationale Arbeitsgruppe zur Freilassung von
Gefangenen und Geiseln und Suche von Vermissten des Karabach-Konfliktes
(kurz: Arbeitsgruppe Karabach-Konflikt) ist eine Nichtregierungsorganisation
mit Sitz in Mönchengladbach (Deutschland). Seit mehr als 10 Jahren
beschäftigt sich die Gruppe mit der Problematik der Vermissten und
Gefangenen des Karabach-Konfliktes. Diese Arbeit sehen wir gleichzeitig
als vertrauensbildende Massnahme in einem Konflikt, der seinen Höhepunkt
Ende der 80-er Jahre bis Mai 1994 in einem grausamen Krieg fand. Wir konnten
mit unserer Arbeit nicht nur zur Freilassung mehrerer Kriegsgefangener
beitragen, das Schicksal von Gefangenen in ihrer Gefangenenschaft verbessern,
Verwandten von Vermissten helfen. Wir vermitteln auch zwischen den offiziellen
staatlichen Vermisstenkommissionen, die derzeit leider zu einer direkten
Zusammenarbeit mit der jeweils anderen Seite nicht bereit sind. Seit 2000
wurde die Arbeit mit finanzieller Hilfe des Auswärtigen Amtes, der
Heinrich-Böll Foundation und Caritas France geleistet.
Die Arbeit wird von den drei Vorsitzenden Bernhard Clasen (Mönchengladbach),
Svetlana Gannuschkina (Moskau) und Paata Zakareishvili (Tbilisi) koordiniert.
Vor Ort unterstützen uns drei ExpertInnen als MitarbeiterInnen.
Vermisste im Karabach-Konflikt
Zwar schweigen seit 1994 die Waffen zwischen armenischer und aserbaidschanischen
Seite in dem ersten blutigen Konflikt innerhalb der (ehemaligen) Sowjetunion.
Doch 5551 Menschen gelten nach diesem Krieg als vermisst, 4604 Aserbaidschaner
und 947 Armenier. An der sog. "Waffenstillstandslinie" kommt es
immer wieder zu Gefechten und Toten. Allein 2006 gerieten sechs Soldaten
in Gefangenenschaft. Sie wurden alle nach Tagen/Wochen wieder freigelassen.
Ehemalige Kriegsgefangene aus Aserbaidschan haben jedoch ein weiteres Schicksal
zu befürchten: uns sind 11 Fälle von ehemaligen aerbaidschanischen
Kriegsgefangenen bekannt, die nach ihrer Freilassung zuHause in ihrer Heimat
zu strafen von über 10 Jahren verurteilt worden sind. Der Vorwurf:
Vaterlandsverrat. Sie sollen während der Gefangenschaft mit dem Feind
zusammengearbeitet haben. Ein geradezu lächerliches Vorwurf. Nähere
Informationen zur Situation im Gebiet des Karabach-Konfliktes finden sich
in dem sehr detaillierten Bericht des Berichterstatters des Europarates,
Herrn Leo Platvoet.
Unsere Aktivitäten vor Ort in der Region:
1.Vermisstensuche
Die Internationale Arbeitsgruppe bearbeitete in den letzten Jahren das
Schicksal von ca. 200 vermissten Personen. Hier arbeiten wir eng mit den
Verwandten der Vermissten und den Staatlichen Vermisstenkommissionen zusammen.
Dabei gewähren uns die Behörden beider Seiten eine umfassende
Möglichkeit, Ort aufzusuchen, an denen die jeweils andere Seite Gefangene
vermutet. So konnten wir zahlreiche Gefängnisse, militärische
Einheiten, Lager besuchen. Wenn wir z.B. die aserbaidschanische Seite
besuchen, kontaktierten wir vorab armenische Angehörige und die armenischen
Vermisstenkommissionen und untersuchen dann deren Informationen vor Ort
in Aserbaidschan. Genauso gehen wir vor, wenn wir die armenische Seite
besuchen.
2. Kriegsgefangene und Geiseln
Bei jeder unserer Reisen in die Region besuchen wir Kriegsgefangene, wenn
wir über deren Aufenthaltsort vorab informiert wurden. Hier erhalten
wir von beiden Seiten zu den Gefangenen freien Zugang, konnen mit diesen
ohne Anwesenheit der Warter sprechen. Hier tun wir alles, um deren Schicksal
zu erleichtern, setzen uns in den Verhandlungen mit den staatlichen Stellen
fur ihre Freilassung ein. Wir photographieren sie, senden anschließend
die Photos an die Angehorigen. Nie sprechen wir in diesem Zusammenhang
von einem Gefangenen"austausch", haben doch die Gefangenen ein
Recht auf eine sofortige und bedingungslose Freilassung. Deswegen lehnen
wir auch eine Parität bei der Anzahl der freigelassenen Gefangenen
ab. Jeder Kriegsgefangene hat heute, 10 Jahre nach Abschluß des
Waffenstillstandes, das Recht auf Freilassung, unabhängig davon,
wie viele Gefangene die andere Seite freizulassen bereit ist. Gleichzeitig
führt der Begriff des Gefangenen"austausches" dazu, dass
die Seite, die weniger Kriegsgefangene als die andere hat, versucht ist,
neue Gefangene zu machen. In der Folge kann es zu einer Zunahme des Menschenhandels
kommen.
3. Ehemalige Kriegsgefangene und Geiseln
Wir halten Kontakt zu den ehemaligen Kriegsgefangenen, unterstützen
sie auch nach ihrer Freilassung. Diese Menschen sind durch die Gefangenschaft
besonders traumatisiert, konnen sich schlecht wieder in die Gesellschaft
integrieren und werden häufig dafür, dass sie dem Feind in die
Hande gefallen sind, von Beamten und Mitbürgern diskriminiert.
Vor diesem Hintergrund organisieren wir für ehemalige Gefangene,
aber auch für Mitglieder ihrer Familien und die Angehörigen
von Vermißten juristische und medizinische Hilfsprogramme, führen
EDV-Kurse durch. All diese Arbeit wird von unseren Mitarbeitern vor Ort
geleistet.
4. Verhandlungen und Vermittlung
Wir sind eine kleine Nichtregierungsorganisation. Unsere Arbeit kann nur
ein Tropfen auf den heissen Stein sein. Umfassend kann in der Vermisstenfrage
nur dann Erfolg erzielt werden, wenn die beiden Konfliktparteien zusammenarbeiten.
Deswegen bemühen wir uns immer wieder um direkte Kontakte zwischen
armenischer und aserbaidschanischer Seite in dieser humanitären Frage.
Zwei mal ist es uns gelungen, ein Treffen zwischen armenischer und aserbaidschanischer
Vermisstenkommision zu organisieren: 1999 in Zusammenarbeit mit der OSZE
in Baku, und 2005 in Tbilisi. An dem Treffen in Tbilisi hatten sich hochrangige
Vertreter beider Seiten beteiligt, u.a. der stellv. armenische Verteidigungsminister
und ein Berater des aserbaidschanischen Sicherheitsministers.
5. Datenbank
Wir haben im Lauf der Jahre eine Datenbank angelegt, in der ca. 200 Fälle
detailliert beschrieben sind.
Unser strategisches Ziel:
1. Wir denken, dass unsere Arbeit im Konfliktgebiet vertrauensbildend
wirkt. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir mit dazu beitragen könnten,
dass sich eines Tages eine armenisch-aserbaidschanische Kommission zusammensetzt,
in der beide Seiten gemeinsam an dieser Problematik arbeiten werden.
2. Ehemalige Kriegsgefangene und Geiseln, Angehörige von Vermissten
sind sehr traumatisiert. Gleichzeitig wird auf staatlicher Ebene kaum
etwas für diese Gruppen getan. Wir hoffen, dass wir mit unserer Arbeit
dazu beitragen, dass diese Gruppen in ihren jeweiligen Staaten künftig
mehr Unterstützung erhalten werden.
Die Vorsitzenden:
Die als Verein in Deutschland eingetragene Gruppe hat drei Vorsitzende:
Bernhard Clasen (Mönchengladbach) organisierte 1993 ein dreimonatiges
Programm zur Erholung von 100 aserbaidschanischen Flüchtlingskindern
in Deutschland. Ein halbes Jahr spater erhielt er von den aserbaidschanischen
Behörden die Besuchserlaubnis für armenische Gefangene. Seither
besucht er regelmäßig alle Seiten des Karabach-Konfliktes,
seit 1995 zusammen mit Svetlana Gannuschkina.
Svetlana Gannuschkina (Moskau) besucht seit 1989 regelmäßig
das Gebiet des Karabach-Konfliktes. Frau Gannuschkina war Organisatorin
der ersten Treffen zwischen armenischer und aserbaidschanischer Intelligenzia.
Frau Gannuschkina ist Mitglied des Menschenrechtszentrums "Memorial"
und Vorsitzende der Flüchtlingsorganisation "Komitee Burgerbeteiligung"
(beide NGO mit Sitz in Moskau); 2003 erhielt sie den Menschenrechtspreis
der deutschen Sektion von Amnesty International.
Paata Zakareishvili (Tbilisi) leitete seit den ersten Tagen des
bewaffneten Konfliktes in Abchasien (Sommer 1992) eine Arbeitsgruppe auf
der georgischen Seite, die für den Austausch von Gefangenen, die
Suche nach Vermissten und den Schutz der Zivilbevölkerung zuständig
war. Er war verantwortlich fur die Evakuierung von 3.000 Zivilisten, verhandelte
den Austausch von 300 Gefangenen, nahm an der Exhumierung von gefallenen
Soldaten teil und sammelte mehre Jahre Erfahrungen bei der Suche nach
Vermissten in Abchasien. Auch armenischen und aserbaidschanischen Nichtregierungsorganisationen
(NGO) ist er eine vertraute und verlässliche Kontaktperson. Seit
Februar 1998 gehört er der Arbeitsgruppe an, seit 2001 ist er ihr
Co-Vorsitzender.
Registrierung:
Die Arbeitsgruppe ist als Verein eingetragen in Mönchengladbach.
Eintragungsdatum: 18. August 2000. Registration # VR 2123.
Adresse:
Arbeitsgruppe Karabach-Konflikt, c/o Bernhard Clasen, Ludwigstr. 14, D-41061
Mönchengladbach, Germany
T.: +49 2161 / 205013, Fax: +49 2161 / 204056
E-Mail: Bernhard@Clasen.net
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